hebraeisch.israel-life.de / israel-tourismus.de / nahost-politik.de / zionismus.info
Judentum und Israel
haGalil onLine - http://www.hagalil.com
 
Spenden Sie mit PayPal - schnell, kostenlos und sicher!

Jüdische Weisheit
Hymne - Israel
Werben in haGalil?
Ihre Anzeige hier!
Advertize in haGalil?
Your Ad here!
 

MEMRI Special Dispatch – 20. Oktober 2002

Al-Sharq al-Awsat kritisiert die arabische Kriegsberichterstattung

In einer Reihe von Artikeln kritisiert der Chefredakteur der Al-Sharq al-Awsat, Abd al-Rahman al-Rashed, die arabischen Medien dahingehend, dass sie genau wie 1967 nicht unparteiisch über den Krieg berichten würden. Schon vor Kriegsbeginn hatte die in London erscheinende saudische Tageszeitung die arabischen Medien für ihr Schweigen über die Forderungen der irakischen Opposition kritisiert.

Als erstes folgt der am 27. März 2003 erschienene Artikel "Langsam, ihr Medien von 1967". Der zweite Artikel "Sogar schlimmer als die 67er Medien" ist eine am 1. April 2003 veröffentlichte Reaktion von Abd al-Rahman al-Rashed auf die Kritik, die an seinen Artikeln geübt wurde:

"Langsam, ihr Medien von 1967"

Der Irakkrieg kann eine Wendung hin zu einem Krieg nehmen, der Jahre andauert oder er kann ein kurzer Krieg sein - wie es der zweite Golfkrieg war - oder seine Mission kann in 45 Tagen vollendet sein. Der Kampf ist Aufgabe des Militärs, während es die Pflicht der Medien ist, nicht selbst in die Schützengräben des Krieges zu geraten. In theoretischer Hinsicht trifft dies auf ernstzunehmende Medien zu. Wenn es um die arabischen Medien geht, dann [stellen wir fest], dass sich seit dem letzten Jahrhundert wenig verändert hat - als ob die Kriege von heute wie die Kriege der vergangenen 40 Jahre wären, als die Medien mit den arabischen Armeen um Mutmaßungen wetteiferten. Sie glaubten, dass die Verbreitung von Meldungen über den Absturz hunderter israelischer Kampfflugzeuge im Krieg von 1967 den Menschen Freude bereiten würde und vielleicht wird sich dies in Zukunft bewahrheiten. Diejenigen aber, die neben dem arabischen Fernsehen einnicken und aufwachen, [.] werden diesen verlogenen Medien nicht verzeihen, wenn der Rauch verzogen ist und die ganze Wahrheit zum Vorschein kommt.

Ich [verstehe] die Gefühle meiner Kollegen, der arabischen Journalisten, die mit dem Geschehen eher emotional als rational umgehen, und vielleicht Bruchstücke von Nachrichten aufschnappen und sie möglicherweise ihren [eigenen] Wünschen anpassen. In professioneller Hinsicht muss der Journalist so weit als möglich in seinen Informationen unparteiisch bleiben - dies ist der beste Dienst, den er seiner Sache, seinen Zuschauern und Lesern erweisen kann, denn diese können [dann] ihrerseits mit der Realität als solcher besser umgehen.

Ich weiß, dass das Einnehmen einer ausgewogenen Position in der arabischen Medienwelt einem Selbstmord [gleichkommt], weil Viele die Medien dazu drängen, "nationalistische" Positionen einzunehmen und alles, was davon abweicht, als Verrat an der Sache angesehen wird. [Zugleich] wird das Lügen um der Sache willen als moralisch und ehrwürdig angesehen. Die arabischen Medien [heute] verwandeln sich - unter diesen schwierigen Umständen - allmählich in die Medien von 1967, als die Radio- und Zeitungskommentatoren das Heldentum aufbauschten und die Realität der Niederlagen verheimlichten und [damit] historisch zum Gegenstand des Spottes wurden.

Die arabischen Medien von heute, mit ihrer Voreiligkeit und den eindeutigen Tendenzen zu Übertreibung und Siegesverheißungen, füttern die Massen mit Geschichten, die nichts mit der Realität zu tun haben. Deswegen reproduzieren sie die alten Medien, obwohl sie in Farbe senden und elektronische Technologien benutzen. [...]

Bevor der [zweite Golf-] Krieg begann, machten die arabischen Anhänger des Bagdader Regimes in der Region im Hinblick auf den großartigen Krieg sehr viele Versprechungen: dass er eine zweites Vietnam sein und der Persische Golf sich in ein Meer aus Blut verwandeln würde und die Eroberer in Zehntausenden von Leichensäcken zurückkehren würden... Wir wurden mit Nachrichten über die Unterstützung auf den Strassen der Welt [für den Irak] überschüttet und schließlich endete die Angelegenheit abrupt mit der Unterzeichnung des Safwan-Abkommens, in dem der Irak zur Überraschung von Millionen Menschen vollständig kapitulierte. [.]

Deshalb sollten die Medien den Informationsministerien nicht in ihrer Propaganda und der Armee nicht bei der Siegesverkündung zuvorkommen, denn der größte Dienst, den sie ihrem Publikum erweisen können, ist die Verbreitung der Wahrheit. Damit können sie sich selbst und ihren zukünftigen Ruf schützen, der durch die früheren Ereignisse beschmutzt wurde, so dass die Medien sogar zu Zwillingsschwestern schlechter politischer Regime wurden."  

Ein paar Tage später reagierte al-Rashed auf die Kritik, die an seinem vorherigen Artikel geübt wurde:  

"Schlimmer als die arabischen Medien von 1967"

Ich gehe noch weiter in meiner Kritik, denn die arabischen Medien sind sogar noch schlimmer als im Jahre 1967, weil sie weder objektiv noch unparteiisch sind. [.] Die Medien von 1967 hatten [nur] eine begrenzte Verbreitung, während vor den Medien [im Jahr] 2003 keiner mehr sicher und kein Haushalt von ihnen unerreicht bleibt. [.]

Die arabischen Medien zensierten absichtlich die Vorschläge der irakischen Opposition, obwohl sie einen Teil der irakischen Bevölkerung repräsentiert. Was noch wichtiger ist, sie zensierten jeden Bericht, der ihren Auffassungen widersprach, so wie der Bericht über die irakischen Geheimdiensteinheiten, die auf Iraker, die zu fliehen versuchten, schossen. [Stattdessen] veröffentlichten die arabischen Medien Geschichten, die an die Abenteuer von Sindbad erinnern, wie z.B. die Geschichte über den Bauern, der einen Apache-Hubschrauber mit einem alten Gewehr vom Himmel holte. Einige der arabischen Medien hoben Berichte hervor, nach denen die Koalitionsstreitkräfte chemische Waffen benutzten - eine Anschuldigung, die nicht mal der irakische Informationsminister, Muhammad al-Sahhaf, erhob. Viele Berichte wurden einfach gestrichen, entweder weil sie dem widersprachen, was Bagdad sagte oder weil ihre Quellen amerikanische waren. Es stellt sich die Frage, wie wir die Wahrheit erfahren sollen, wenn der Journalist sich als voreingenommener Zensor gebärdet?

Ich fordere nicht, die irakischen Berichte zu ignorieren, so lächerlich oder verlogen sie auch seien. Und ich fordere nicht, sich auf die Verbreitung von Nachrichten amerikanischer Kommandeure zu beschränken, so wahr sie auch sein mögen. Ich fordere, dem arabischen Individuum sein Recht auf Nachrichten beider Versionen zuzugestehen, damit es nicht in die Falle einer Meldung aus nur einer einzigen Quelle gerät [.] so wie 1967.

Dies ist ein Kampf um Informationen genau wie 1967, wo auch jeder Herausgeber seine Schere benutzt und den Leuten sagt: dies bekommt ihr zu sehen und dies ist euch nicht erlaubt, zu hören; weil es einen Iraker zeigt, der Washington unterstützt oder über die Niederlage einer tapferen [irakischen] Einheit berichtet oder weil es nach einem Propagandafeldzug aussieht. Es besteht ein Unterschied zwischen Medien, die als Gegenstand der Säuberung [Zensur?] oder als Gegenstand der Verbreitung fungieren. Letztere sind  richtig.

[Einige Kritiker fragen] warum ich die qualitative Verbesserung der arabischen Medien nicht anerkenne. Dies ist nicht der Ort, um die Verbesserungen in Qualität, Kunst, Farbe, Elektronik oder bei der Übertragungsgeschwindigkeit zu bewerten. Leider entspringen sie nicht der Genialität der arabischen Medien, sondern sind importiert - genau wie das Papier aus Schweden oder die Druckerpresse aus Deutschland. Sie sind importierte Verbesserungen, genau wie Kleidung, Autos und Uhren. Aber die Berichte werden immer noch auf dieselbe alte Art und Weise verfasst, welche [eher] die Prinzipien [des Journalismus?] angreift als dass sie darauf bedacht sind, Tatsachen zu unterbreiten.

Schauen sie sich an, was die meisten arabischen Kabelsender - nicht nur al-Jazzera - über Bagdad berichten. Die meisten verhalten sich wie Sprachrohre des irakischen Informationsministers. Keiner von ihnen wagte es, Fragen zu stellen - [nicht einmal] an dem Tag, als das Drama des Flugzeugabschusses in Bagdad und die Verfolgung der Piloten am Tigris bekannt gegeben wurden. Niemand fragte das Informationsministerium, das die Leute zusammenrief und sie zur Beobachtung des Dramas schickte, wo das Flugzeug sei, das sich nach seinem Abschuss nicht in Luft aufgelöst haben konnte oder wo die Fallschirme, die die zwei benutzt hatten, geblieben seien? Leider erwies sich die Geschichte als erfunden.

Beobachten sie die Unterschiede in Pressekonferenzen auf beiden Seiten. Im Westen begnügen sich die Journalisten nicht damit, zuzuhören. Vielmehr widersprechen sie, protestieren, prüfen nach, streiten um das, was ihnen angetragen wird und decken Lügen in ihren Zeitungen und Fernsehsendungen auf. In unseren Medien wird alles, was al-Sahhaf [der irakische Informationsminister] sagt, so an die Öffentlichkeit gebracht, als ob er Freitagsprediger in einer Moschee sei. [.]"

THE MIDDLE EAST MEDIA RESEARCH INSTITUTE (MEMRI)
eMail:
memri@memri.de, URL: www.memri.de
© Copyright 2002. Alle Rechte vorbehalten.

hagalil.com 09-04-03

 

haGalil.com ist kostenlos! Trotzdem: haGalil kostet Geld!

Die bei haGalil onLine und den angeschlossenen Domains veröffentlichten Texte spiegeln Meinungen und Kenntnisstand der jeweiligen Autoren.
Sie geben nicht unbedingt die Meinung der Herausgeber bzw. der Gesamtredaktion wieder.
haGalil onLine

[Impressum]
Kontakt: hagalil@hagalil.com
haGalil - Postfach 900504 - D-81505 München

1995-2006 © haGalil onLine® bzw. den angeg. Rechteinhabern
Munich - Tel Aviv - All Rights Reserved